Sella Ronda Umrundung mit dem Mountainbike
In den letzten Jahren waren wir bereits zweimal mit meinen Eltern beim Sellaronda Bike Day. Anfang Juni und im September werden an diesem Tag die Passstraßen rund um das Sellamassiv für Autos gesperrt und man hat die Möglichkeit, die Sellaronda und ihre vier Pässe mit dem Fahrrad zu umrunden. Dabei sind wir irgendwann darauf gestoßen, dass man das Ganze im Sommer auch mit Lift und Mountainbike machen kann.
Hoch liften und runter über Singletrails düsen. Ein verlockender Gedanke. Nun ist es endlich soweit und wir sind in Colfosco auf dem Campingplatz und bereiten uns auf unsere Sellaronda MTB Tour vor. Matze hat die Umrundung bereits mit den Ski gemacht und meint, dass man auch im Winter den ganzen Tag unterwegs ist. Mit dem Mountainbike kann man die Sellaronda in beide Richtungen fahren. Clockwise sind es knapp 400 Höhenmeter, die man selbst hochfahren muss. Gegen den Uhrzeigersinn sind es dagegen rund 1.000 Höhenmeter.
Für was entscheiden wir uns wohl? Ja, knapp 400 Höhenmeter reichen völlig aus. Also geht es für uns clockwise rund um die Sellaronda.
Mit Lift und Mountainbike rund um die Sellaronda
Die Lifte öffnen um 8:30 Uhr und wir starten früh in unsere Runde. Rund 60 Euro kostet die Tageskarte für die komplette Umrundung inklusive Bike-Mitnahme. Ein sonniger Tag wartet auf uns und mit der ersten Gondel geht es direkt nach oben. Oben angekommen teilen wir uns erst einmal mit den Wanderern den Weg und müssen tatsächlich auch noch ein paar Höhenmeter mit unseren eigenen Beinen zurücklegen.
Ich denke nur: Oh man, ich möchte doch eigentlich nur nach unten fahren und nicht strampeln. Aber insgesamt knapp 400 Höhenmeter über den ganzen Tag verteilt sind dann doch ganz gut auszuhalten.
Singletrails mitten in den Dolomiten
Die Dolomiten haben uns schon immer in ihren Bann gezogen. Diese hohen Gipfel, die steil in den Himmel ragen, sehen einfach faszinierend aus. Und auch heute würde ich am liebsten ununterbrochen die Kamera rausholen und Bilder machen. Aber wenn wir ständig stehen bleiben, werden wir es wahrscheinlich nie einmal rundherum schaffen. Also weiter. Die Trails sind von der Schwierigkeit für uns gut machbar und so fahren wir seit langer Zeit mal wieder richtig Downhill. Ich habe es nach den ganzen Rennrad-Etappen der letzten Monate wirklich vermisst. Es fühlt sich gut an. Immer wieder geht es mit dem Lift nach oben und anschließend über Singletrails und Flowtrails wieder hinunter. Und das alles vor dieser unglaublichen Kulisse der Dolomiten. Wir umrunden nach und nach das komplette Sellamassiv und kommen dabei an den vier bekannten Pässen vorbei: Campolongo-Pass, Pordoijoch, Sellajoch und Grödner Joch. Zwischendurch müssen wir immer wieder ein paar Höhenmeter selbst treten, bevor uns der nächste Lift wieder den Großteil der Arbeit abnimmt.
So hatten wir uns das vorgestellt.
Die „Sargbahn“ am Sellajoch
Gegen Ende der Tour wartet am Sellajoch noch eine Besonderheit auf uns. Hier gibt es eine historische Gondelbahn mit winzigen Kabinen, in denen gerade einmal zwei Personen stehend Platz haben. Wegen ihrer schmalen Form wird sie auch gerne als „Sargbahn“ bezeichnet. Und wenn man die Gondeln sieht, weiß man auch sofort, woher der Name kommt. Als kleine Pause vom Biken lassen wir unsere Mountainbikes stehen und nehmen die Bahn Forcella Sassolungo hinauf zur Langkofelscharte. Zu zweit stehen wir ziemlich eingeklemmt in der kleinen Gondel und fahren mitten hinein in die beeindruckende Felswelt des Langkofels.
Oben angekommen befinden wir uns auf der Langkofelscharte auf 2.685 Metern, direkt bei der Toni-Demetz-Hütte. Wir genießen die Aussicht und die kleine Pause vom Mountainbiken. Von hier oben haben wir noch einmal einen tollen Blick auf die umliegenden Dolomiten. Allein für diesen kleinen Abstecher hat sich die Fahrt mit der Sargbahn gelohnt. Danach geht es mit der kleinen Gondel wieder nach unten, wir schnappen uns unsere Bikes und setzen unsere Sellaronda MTB Tour fort.
Über Wolkenstein zurück nach Colfosco
Wieder unten angekommen nehmen wir die Abfahrt bis nach Wolkenstein. Von dort geht es wieder hinauf in Richtung Grödner Joch, bevor wir die letzte Abfahrt zurück nach Colfosco und zu unserem Campingplatz in Angriff nehmen. Mittlerweile tun uns allerdings unsere Hände vom vielen Bremsen ordentlich weh. Mein Bruder würde sagen, "bremst nicht so viel". Aber irgendwann sind die Hände so müde, dass die letzten Abfahrten tatsächlich kein wirklicher Genuss mehr sind. Wer hätte gedacht, dass auch Runterfahren ganz schön anstrengend sein kann? Nach einer kompletten Runde um das Sellamassiv kommen wir schließlich wieder in Colfosco an.
Rund 62 Kilometer, knapp 400 selbst gefahrene Höhenmeter und dafür mehr als 4.000 Tiefenmeter liegen hinter uns.Erschöpft, mit ziemlich müden Händen, aber einem breiten Grinsen rollen wir zurück auf unseren Campingplatz. Was für ein Tag. Die Sellaronda MTB Tour ist für uns eine ziemlich geniale Mischung aus Mountainbiken, Singletrails, Liften und dieser unglaublichen Landschaft der Dolomiten.
Und ganz ehrlich: Hoch liften und runterfahren gefällt uns irgendwie ziemlich gut. Ein weiterer toller Tag geht zu Ende.
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