Death Road in Bolivien – viel Hype, aber wie gefährlich ist sie wirklich?
Auf dem Blog von Better Beyond lesen wir zum ersten Mal, dass man die berühmte Death Road in Bolivien auch mit dem Mountainbike befahren kann. Von dieser Straße haben wir schon öfter gehört und Bilder gesehen. Eine schmale Schotterstraße, die sich an steilen Berghängen entlangschlängelt, ohne Leitplanken und mit mehreren Hundert Metern Abgrund direkt daneben. Und früher sind sich hier tatsächlich Lkw, Busse und Autos entgegengekommen. Allein die Vorstellung ist schon ziemlich verrückt.
Die Death Road, offiziell Camino de los Yungas beziehungsweise die alte Straße nach Coroico, verbindet das Hochland bei La Paz mit den tropischen Yungas. Sie wurde in den 1930er-Jahren gebaut und galt lange als eine der gefährlichsten Straßen der Welt. Der Grund dafür war die Kombination aus extrem schmaler Fahrbahn, steilen Abhängen, Nebel, Regen und teilweise sehr schlechten Straßenverhältnissen.
Immer wieder kam es zu schweren Unfällen. Daher auch der Name „Todesstraße“. Seit 2006 gibt es eine neue, deutlich sicherere Straßenverbindung, sodass die alte Route heute vor allem von Mountainbikern und für touristische Touren genutzt wird. Wir als Mountainbike-Freunde denken natürlich sofort: Das müssen wir unbedingt machen! Wo kann man schon einmal von fast 4.700 Metern auf rund 1.200 Meter hinunterfahren? Anbieter gibt es genügend. Uns ist allerdings wichtig, dass die Bikes in einem guten Zustand sind. Vor allem die Bremsen sollten funktionieren und die Reifen möglichst nicht komplett abgefahren sein. Bei Ride On Bolivia werden wir fündig. Da wir schon öfter gehört haben, dass Touren günstiger sind, wenn man direkt vor Ort bucht, gehen wir einfach im Büro vorbei und schauen uns alles an. Leider sind an unserem Wunschtag keine Plätze mehr frei. Kein Problem, dann fahren wir eben einen Tag später. Wir haben ja keinen Zeitstress.
Von 4.700 Metern geht es bergab
Am besagten Morgen sollen wir um 7:20 Uhr von der Crew abgeholt werden. Als um zehn vor acht allerdings immer noch niemand da ist, sitzen wir doch langsam etwas auf Kohlen. Zum Glück kommt unser Bus dann endlich, mit drei weiteren Mitstreitern an Bord. Zuerst geht es zum Ausgangspunkt des Veranstalters, wo wir uns einen Helm aussuchen. Dazu bekommen wir noch ein paar selbst gemachte Empanadas. Schon mal ein guter Anfang.
Anschließend fahren wir rund eine Stunde hinauf auf etwa 4.700 Meter. Mit uns im Bus sitzt ein Paar, das erst am Vortag aus Europa angekommen ist. Und jetzt geht es für die beiden direkt auf diese Höhe. Puh, das würde ich nicht wollen. Dementsprechend geht es ihnen leider auch.
Unser Startpunkt liegt an einer Lagune, um die bereits einige Lamas herumlaufen. Für uns heißt es erst einmal frühstücken und Ausrüstung anziehen. Wir bekommen Hose, Shirt, Handschuhe, Knie- und Schienbeinschoner sowie Ellbogen- und Unterarmschoner. Ich komme mir vor wie ein Michelin-Männchen. Bewegen kann ich mich kaum noch. Ich entscheide mich schließlich, die zusätzlichen Schoner nicht anzuziehen. Die Strecke schätze ich als nicht besonders anspruchsvoll ein und mit der ganzen Ausrüstung fühle ich mich eher eingeschränkt. Ob das die richtige Entscheidung ist, sei mal dahingestellt.
Zu unserer kleinen Gruppe kommt noch eine weitere dazu. Somit sind wir leider doch mehr als zehn Personen und damit genau das, was wir eigentlich vermeiden wollten. Aber gut, wird schon irgendwie passen.
Erst Asphalt, dann die eigentliche Death Road
Die ersten rund 20 bis 25 Kilometer geht es zunächst auf der neuen, asphaltierten Straße bergab. Und das macht richtig Laune! Die Aussicht ist wunderschön und verspricht schon einmal einen tollen Tag. Nach diesem ersten Abschnitt steigen wir noch einmal kurz in den Minivan. Es geht ein Stück bergauf und das möchte man uns Touristen wohl nicht zumuten.
Und dann stehen wir tatsächlich am Beginn der berühmten Death Road. Jetzt geht es über eine schmale Schotterstraße weiter nach unten. Leitplanken gibt es kaum. Die Straße ist zwar schmal, aber ehrlich gesagt auch nicht so schmal, wie wir es von manchen Mountainbike-Strecken zu Hause gewohnt sind.
Also los geht's, schön in Reih und Glied. Schon nach wenigen Metern merke ich allerdings, dass sich der Schotter mit meinem Bike nicht besonders angenehm fahren lässt. Wenn man von zu Hause andere Räder gewohnt ist, ist man manchmal doch ganz schön verwöhnt. Wir fahren immer ungefähr 20 Minuten und halten dann an, bis die Gruppe wieder zusammen ist. Fahrtechnisch ist die Strecke für uns nicht besonders anspruchsvoll, dafür ist die Aussicht umso schöner. Um uns herum nur dichter, grüner Wald und diese Straße, die sich am Berghang entlangzieht.
Als Radfahrer können wir die Strecke relativ entspannt genießen. Aber die Vorstellung, dass hier früher Busse und schwere Lkw unterwegs waren, ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Unvorstellbar, wenn man selbst mit dem Auto auf dieser schmalen Straße unterwegs ist und plötzlich ein großer Lkw entgegenkommt. Aus diesem Grund galt hier auf der alten Straße eine besondere Regel: Linksverkehr. Dadurch saß der Fahrer bei der Fahrt bergab auf der Seite des Abgrunds und konnte besser einschätzen, wie viel Platz bis zur Kante blieb. Und dahinter geht es teilweise mehrere Hundert Meter steil hinunter. Da haben wir es mit unseren Mountainbikes doch deutlich einfacher.
Gegen Mittag machen wir eine Pause und bekommen Sandwiches. Wir lassen es uns gutgehen und genießen die Landschaft.
Superman über dem Regenwald
Kurz vor dem Ende wartet noch ein weiteres Highlight auf uns: eine Zipline über den Wald. Für ein paar Euro extra können wir über eine kleine Schlucht fliegen. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Wir entscheiden uns für die Superman-Variante. Dabei hängt man waagerecht mit dem Gesicht nach unten im Gurt und schaut direkt auf den Wald unter sich. Und was für eine gute Entscheidung! Rund 500 Meter fliegen wir über die Schlucht und die Baumwipfel. Unter uns nur Grün und ganz viel Luft. So müssen sich Vögel fühlen. Ein unbeschreibliches Gefühl und definitiv eines der Highlights des Tages.
Nach dieser kurzen Unterbrechung geht es wieder auf die Bikes. Vielleicht noch zehn Kilometer liegen vor uns. Nach dem ganzen Schotter tun mir mittlerweile die Arme und Hände ganz schön weh. Und dann haben wir es tatsächlich geschafft. Ohne Sturz sind wir die Death Road hinuntergefahren! Zum Abschluss geht es noch in ein Hotel, wo wir etwas zu essen bekommen. Anschließend wartet allerdings noch eine rund dreistündige Rückfahrt auf uns. Gegen halb neun abends sind wir endlich wieder an unserer Unterkunft in La Paz.
Ein langer, aufregender Tag geht zu Ende.
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