Iquitos – zwischen Amazonas, Belén und einem Blick zurück
Nach unserem Urwald-Abenteuer verbringen wir noch zwei Tage in Iquitos. Die Stadt ist schon allein wegen ihrer Lage etwas Besonderes: Iquitos gilt als die größte Stadt der Welt, die nicht über eine Straße mit dem überregionalen Straßennetz verbunden ist. Wer hierherkommen möchte, muss fliegen oder mit dem Boot anreisen. Und trotzdem ist Iquitos alles andere als klein – im Großraum leben rund eine halbe Million Menschen. Auf dem Weg von unserer Lodge nach Iquitos fällt uns vor allem eines auf: wahnsinnig viel Müll. Überall liegen Säcke, Äste und andere Dinge auf und neben den Straßen. In den vergangenen drei Tagen wurde hier gestreikt – genau in der Zeit, in der wir in unserer Lodge mitten im Regenwald waren. Uns wird erzählt, dass es unter anderem um die Situation rund um Benzin und die hohen Preise geht. Von dem eigentlichen Streik bekommen wir glücklicherweise nichts mehr mit, dafür sehen wir seine Spuren. Straßen waren mit allem blockiert worden, was sich irgendwie dafür verwenden ließ. Als wir ankommen, ist vieles bereits wieder geräumt, aber an einigen Stellen sieht man noch deutlich, was hier in den letzten Tagen los gewesen sein muss.
Der Mercado de Belén
Unser Hotel liegt relativ zentral und wir wollen uns natürlich ein bisschen in Iquitos umschauen. Klassische Sehenswürdigkeiten gibt es für uns nicht besonders viele, aber einen Ort möchten wir unbedingt sehen: den Mercado de Belén. Der riesige Markt ist laut, voll und chaotisch. Hier wird so ziemlich alles verkauft, was der Amazonas hergibt: unzählige verschiedene Fische, Früchte und Pflanzen, Fleisch und traditionelle Heilmittel. Dazu kommen Dinge, bei denen wir lieber nicht ganz so genau hinschauen. Dazwischen fahren Mototaxis und Fahrzeuge, Menschen drängen sich durch die schmalen Wege und über allem kreisen Geier, die sich über die Reste des Marktes hermachen.
Ganz ehrlich: Wir fühlen uns hier zum ersten Mal auf unserer Reise nicht so richtig wohl. Es ist schwer zu beschreiben, woran es genau liegt. Vielleicht ist es die Mischung aus dem Lärm, den Gerüchen, dem Verkehr, dem Müll und dem unglaublichen Durcheinander. Iquitos ist intensiv – und nach unseren ruhigen Tagen mitten im Regenwald wahrscheinlich noch einmal mehr.
Das schwimmende Viertel von Belén
Direkt unterhalb des Marktes liegt Belén Bajo, eines der ärmeren Viertel von Iquitos. Und hier zeigt sich noch einmal, wie sehr das Leben vom Wasser bestimmt wird.Ein Teil der Häuser steht auf hohen Stelzen, andere Häuser sind tatsächlich auf schwimmenden Konstruktionen gebaut. In der Trockenzeit stehen viele davon auf dem freigelegten Boden. Wenn das Wasser wieder steigt, verändert sich das Viertel komplett: Die Wege werden zu Wasserstraßen und einige der auf Holzplattformen errichteten Häuser steigen mit dem Wasser nach oben.
Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Menschen hier an die extremen Unterschiede des Wasserstands angepasst haben. Gleichzeitig sehen wir aber auch die schwierigen Lebensbedingungen. In Teilen von Belén fehlen grundlegende Dinge wie eine ausreichende Abwasserentsorgung und fließendes Wasser. Iquitos hinterlässt bei uns deshalb gemischte Gefühle. Es ist interessant, diese ganz andere Seite des Amazonas kennenzulernen, aber gleichzeitig merken wir, dass wir uns hier nicht so wohlfühlen wie an vielen anderen Orten unserer Reise.
Ein letzter Blick auf den Amazonas
Nach zwei Nächten in Iquitos heißt es für uns schon wieder Abschied nehmen. Mit dem Flugzeug geht es zunächst nach Lima und von dort direkt weiter nach Cusco. Wir machen also einen ganz schönen Sprung – vom Amazonas zurück in die Anden. Und ausgerechnet der Flug wird noch einmal zu einem kleinen Highlight. Von oben ist es unglaublich beeindruckend, den Amazonas und dieses riesige Geflecht aus Flüssen zu sehen. Überall schlängeln sich Wasserläufe durch das Grün. Wir erkennen sogar den Fluss wieder, auf dem wir während unserer Tour unterwegs waren. Plötzlich sehen wir die Landschaft, in der wir die letzten Tage mit kleinen Booten unterwegs waren, aus einer völlig anderen Perspektive. Die zwei Stunden Flug vergehen dadurch fast wie im Flug. Wir hängen die ganze Zeit am Fenster und schauen nach unten.
Unser Huayhuash Trek – plötzlich von oben
Und dann verändert sich die Landschaft. Das endlose Grün verschwindet langsam und vor uns tauchen wieder die gewaltigen Berge der Anden auf. Und plötzlich erkennen wir sie: die Cordillera Huayhuash. Wir können es kaum glauben. Unter uns liegt tatsächlich die Bergkette, durch die wir zu Beginn unserer Peru-Reise acht Tage lang gewandert sind. Wir erkennen die gewaltigen Berge wieder, die wir damals von unten bestaunt haben. Und sogar einige der Lagunen, an denen wir unser Zelt aufgeschlagen haben, können wir aus der Luft erkennen.
Was für ein verrücktes Gefühl. Vor einigen Wochen standen wir noch mit unseren schweren Rucksäcken dort unten, sind über die hohen Pässe gelaufen und haben zwischen diesen Bergen gezeltet. Jetzt sitzen wir im Flugzeug und sehen plötzlich unseren ganzen Huayhuash Trek von oben. Wir kleben am Fenster und versuchen, immer wieder bekannte Stellen zu entdecken. Die Berge, die von unten so gigantisch vor uns aufragten, liegen jetzt unter uns – und trotzdem wirken sie kein bisschen weniger beeindruckend.
Für uns schließt sich damit irgendwie ein kleiner Kreis: Von den Bergen des Huayhuash hat unsere Reise durch Peru begonnen, danach ging es immer weiter Richtung Norden und schließlich tief hinein in den Amazonas. Und jetzt, auf dem Weg zu unserem nächsten Abenteuer in Cusco, dürfen wir genau diese Berge noch einmal wiedersehen – diesmal aus einer völlig anderen Perspektive.
Was für ein unerwarteter und wunderschöner Moment.
Kommentare
Einen Kommentar schreiben