Alpinisteig Sextener Dolomiten
Nach dem Pisciadù Klettersteig ist unser Feuer für Klettersteige wieder geweckt. Und da wir gerade in der Drei-Zinnen-Region unterwegs sind, schauen wir natürlich, was es hier noch so gibt. Die Gegend rund um die Drei Zinnen ist mittlerweile wie so vieles ziemlich überlaufen. Für die Zufahrt zum Parkplatz an den Drei Zinnen braucht man inzwischen eine Reservierung. Als wir vor acht Jahren schon einmal hier waren, konnten wir noch einfach so hochfahren. Dieses Mal entscheiden wir uns deshalb bewusst für den hinteren Teil der Sextner Dolomiten.
Bei unseren Recherchen stoßen wir auf den Alpinisteig bei Sexten, italienisch Strada degli Alpini. Genau genommen ist er weniger ein klassischer Klettersteig, sondern eher eine alpine Bergtour auf einem historischen Kriegssteig aus dem Ersten Weltkrieg. Der Weg führt teilweise über schmale Felsbänder durch die steilen Wände des Elfers. Die ausgesetzten Passagen sind mit Stahlseilen gesichert.
Klingt genau nach unserem Geschmack. Im Internet lesen wir allerdings auch, dass Teile des Alpinisteigs im Frühsommer noch mit Schnee und Eis bedeckt sein können. Deshalb wird empfohlen, sich vorher über die aktuellen Bedingungen zu informieren. Also fahren wir nach Sexten zur Touristeninformation und werden dort von einem netten Bergführer beraten. Der Steig ist aktuell gut begehbar. Einzige Ausnahme: Erst vor wenigen Tagen ist an einer Stelle Geröll heruntergekommen. Davon lassen wir uns aber nicht abschrecken und planen die Tour für den nächsten Tag. Die Wetterbedingungen sollen perfekt werden.
Der Bergführer gibt uns außerdem den Tipp, den Alpinisteig über die Zsigmondy-Comici-Hütte anzugehen.
Mit dem Fahrrad ins Fischleintal
Da wir mit unserem Camper nicht bis ins Fischleintal fahren können, beschließen wir, am nächsten Morgen einfach die Fahrräder zu nehmen. Bei frischen 8 Grad starten wir früh von unserem Parkplatz in Sexten. Eine leichte Steigung bringt uns direkt am Morgen schon ins Schwitzen. Rund fünf Kilometer fahren wir hinein ins wunderschöne Fischleintal bis zur Talschlusshütte. Dort schließen wir unsere Räder ab und Matze gönnt sich erst einmal seinen ersten Espresso.
So kann der Tag beginnen.
Von hier führt auch ein beliebter Wanderweg in Richtung Drei-Zinnen-Hütte. Dementsprechend begegnen uns bereits gegen halb acht morgens erstaunlich viele Leute. Unser Weg ist zum Glück etwas ruhiger. An der Abzweigung zur Drei-Zinnen-Hütte halten wir uns links und steigen in Richtung Zsigmondyhütte auf.
Aufstieg zur Zsigmondyhütte
Rund 700 Höhenmeter liegen bis zur Hütte vor uns. Schon die ersten Blicke auf die umliegenden Berge geben uns einen Vorgeschmack darauf, was uns weiter oben erwartet. Hinter jeder Kurve verändert sich die Aussicht und wir sind jetzt schon mega begeistert. Langsam schafft es auch die Sonne über die hohen Gipfel. Matze macht direkt einen Luftsprung – endlich Sonne und ein bisschen Wärme. Nach ungefähr zwei Stunden erreichen wir die Zsigmondy-Comici-Hütte auf 2.224 Metern.
Und wow. Was soll ich sagen.
Der Blick auf den markanten Zwölferkofel und die umliegenden Sextner Dolomiten ist einfach atemberaubend. Wir machen unsere erste Pause an der Hütte und gönnen uns ein zweites Frühstück. Die Sonne lacht von oben und wir genießen die kurze Auszeit. Da aber noch ein ordentliches Stück vor uns liegt, beschränken wir unsere Pause auf gute 30 Minuten. Dann geht es weiter.
Einstieg in den Alpinisteig
Der ursprüngliche Weg zum Einstieg in den Alpinisteig ist aufgrund eines früheren Felssturzes gesperrt. Deshalb nehmen wir die ausgeschilderte Umleitung. Nach ungefähr eineinhalb Stunden erreichen wir schließlich den Einstieg in den Steig. Wir ziehen unsere Klettergurte und Helme an und los geht's. Der Alpinisteig verläuft größtenteils über schmale, natürliche Felsbänder.
Teilweise geht es direkt neben uns steil in die Tiefe. Die ausgesetzten Stellen sind mit Stahlseilen gesichert, trotzdem sollte man hier definitiv schwindelfrei und trittsicher sein. Schon ziemlich am Anfang erreichen wir eines der bekanntesten Fotomotive des Alpinisteigs: das Salvezza-Band, die Cengia della Salvezza.
Ein schmales Band zieht sich hier spektakulär durch die steile Felswand. Und das Beste: Wir sind ganz alleine. Also haben wir genügend Zeit, ein paar schöne Bilder zu knipsen.
Ganz schön viel Luft unter den Füßen
Weiter geht es durch die steilen Felswände. Ich weiß nicht, ob das mit dem Alter mehr wird, aber mittlerweile habe ich manchmal schon ein mulmiges Gefühl, wenn ich nach links schaue und es dort 100 Meter oder mehr nach unten geht. Früher war das irgendwie nicht so. Ich schiebe den Gedanken weg und konzentriere mich lieber auf die Aussicht. Und die ist wirklich mehr als beeindruckend.
Wir sind ganz schön aus dem Häuschen. Das führt allerdings auch dazu, dass wir ziemlich langsam vorwärtskommen. Ständig bleiben wir stehen, schauen, fotografieren und genießen einfach.Aber was soll's. Wir haben Zeit. Die Wettervorhersage sagt keine Gewitter voraus und dunkel wird es erst spät.Also gehen wir ganz entspannt weiter.
Über die Elferscharte
Langsam nähern wir uns der Elferscharte auf rund 2.650 Metern und damit einem der höchsten Punkte unserer Tour. Mittlerweile haben wir ordentlich Höhenmeter in den Beinen. Von hier gibt es verschiedene Möglichkeiten für den Abstieg. Wir könnten direkt den Wanderweg nach unten nehmen oder noch ein Stück dem gesicherten Steig folgen. Natürlich entscheiden wir uns für den Steig. Nach ungefähr einer weiteren Stunde haben wir den letzten gesicherten Abschnitt hinter uns und es geht über ein langes Geröllfeld nach unten.
Und das ist definitiv der weniger schöne Teil der Tour. Rund 1.400 Höhenmeter wieder hinunterzugehen, geht irgendwann ganz schön auf die Beine. Vor allem nach den vielen Stunden, die wir inzwischen unterwegs sind. Irgendwann kommt endlich wieder die Talschlusshütte in Sicht.
Nach 9 Stunden zurück im Fischleintal
Nach insgesamt rund neun Stunden erreichen wir glücklich und ziemlich hungrig wieder die Talschlusshütte. Es ist 18:05 Uhr. Bis 18:00 Uhr gibt es etwas zu essen.
Mist. Fünf Minuten zu spät. Glücklicherweise hat die Kellnerin Erbarmen mit uns und wir bekommen doch noch etwas. Knödel, Bratkartoffeln mit Spiegelei und Speck – in diesem Moment könnte es wahrscheinlich nichts Besseres geben. Was für ein Tag. Wir sind müde, die Beine haben genug und gleichzeitig sind wir einfach nur happy. Der Alpinisteig hat uns mit seinen schmalen Felsbändern, den gewaltigen Ausblicken und seiner wilden Landschaft komplett begeistert. Und jetzt sind wir besonders froh, dass unten unsere Fahrräder stehen. Denn statt noch weitere Kilometer laufen zu müssen, setzen wir uns einfach auf die Bikes und lassen uns die fünf Kilometer zurück nach Sexten fast nur noch bergab rollen.
Besser kann so ein Tag eigentlich nicht enden.
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