Region Amazonas – zwischen Wolkenmenschen und Wasserfällen
Mit dem Bus fahren wir von Huaraz tagsüber nach Trujillo. Trujillo liegt direkt am Pazifik, wir nutzen diesen Stopp aber eigentlich nur als Zwischenstopp. Einen halben Tag verbringen wir in Huanchaco am Meer und bekommen tatsächlich ein klein wenig das Bedürfnis, einfach hierzubleiben und ein paar Tage am Strand zu verbringen. Leider haben wir unseren nächsten Bus und die Unterkunft schon gebucht. Und so geht es weiter – 15 Stunden mit dem Bus in die Region Amazonas.
Die Region Amazonas ist eines der 24 Departamentos Perus – also ungefähr vergleichbar mit unseren Bundesländern. Und die Region Amazonas ist nicht zu verwechseln mit dem Amazonas-Tiefland. Statt flachem Dschungel erwartet uns hier eine spektakuläre Berg- und Nebelwaldregion in den nordöstlichen Anden.
Chachapoyas – unser erster Stopp
Mit dem Bus fahren wir in die Hauptstadt der Region nach Chachapoyas. Der Bus startet nachmittags um 15 Uhr und morgens um sechs kommen wir an. Auch wenn sich unsere Sitze fast komplett nach hinten verstellen lassen und wir somit nachts ziemlich flach liegen können, werden wir bei den Straßenverhältnissen hier ganz schön durchgeschaukelt. Als wir in unserer Unterkunft ankommen, hänge ich leider erst einmal den ganzen Morgen über der Kloschüssel. Keine Ahnung, ob es von der Fahrt kommt oder ob ich etwas Falsches gegessen oder getrunken habe. Egal was es ist, ich verbringe den Mittag im Bett, ruhe mich aus und zum Glück ist am Abend alles wieder gut. Matze geht derweil alleine einen Kaffee trinken, etwas essen und schaut sich schon mal die Stadt an.
Kuélap und die Wolkenmenschen
Aber was oder wer genau ist eigentlich Kuélap? Kuélap wurde von den Chachapoya errichtet – also nicht von den Inka. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste, was wir auf dem rund einstündigen Weg dorthin nachlesen. Die Kultur der Chachapoya entwickelte sich im Nordosten Perus und Kuélap wurde ungefähr ab dem 6. Jahrhundert errichtet. Ihr Gebiet lag dort, wo die Anden langsam in Richtung Amazonasbecken übergehen: steile Berge, tiefe Täler und feuchte Nebelwälder. Daher liest man im Zusammenhang mit den Chachapoya auch immer wieder von den „Wolkenmenschen“ oder „Kriegern der Wolken“. Also gut, wir gehen uns das mal anschauen.
Mit dem Taxi fahren wir dorthin. Es gibt zwei Möglichkeiten, die auf rund 3.000 Metern gelegene Anlage anzuschauen: Entweder man läuft hoch oder man fährt mit Bus und Gondel. Wir entscheiden uns für den schön gemütlichen Weg mit der Gondel. Witzig ist, dass beim Einstieg die Zahlen von eins bis acht auf dem Boden stehen. Jede Person, die einsteigt, muss sich auf eine Zahl stellen und dann wird schön der Reihe nach eingestiegen. Da herrscht Zucht und Ordnung.
Oben angekommen sind es noch einmal rund 30 Minuten zu Fuß bis zu den gewaltigen Mauern von Kuélap. Besonders beeindruckend sind die schmalen Eingänge in die Anlage. Sie werden nach innen immer enger und konnten dadurch auch gut kontrolliert und verteidigt werden. Wir gehen durch einen der Eingänge und laufen einmal durch den Bereich, der für Besucher zugänglich ist. Wir schauen uns die alten Ruinen an – im Prinzip teilweise nur noch ein paar Steine auf dem Boden – und können uns zumindest vage vorstellen, wie es hier früher einmal ausgesehen haben muss. Mehr Einblick in die Vergangenheit bekommen wir anschließend im Besucherzentrum. Hier informieren wir uns noch ein wenig, bevor es mit der Seilbahn wieder nach unten geht.
Die Heimfahrt gestaltet sich dann etwas schwieriger. Weit und breit kein Taxi und kein Colectivo. Also laufen wir gemütlich ins Dorf. Es ist Sonntag und auf dem Fußballplatz ist eine Menge los. Glücklicherweise erwischen wir dort schließlich ein Colectivo, das uns bis unters Dach vollgestopft wieder nach Chachapoyas bringt. Ein schön entspannter Tagesausflug, bei dem wir einiges über die Geschichte Perus lernen konnten.
Cocachimba und der Gocta-Wasserfall
Nach drei Nächten brechen wir unsere Zelte wieder ab, um unser nächstes Ziel anzusteuern: das kleine Dorf Cocachimba. Hier befindet sich einer der höchsten Wasserfälle Perus. Der Gocta-Wasserfall ist insgesamt 771 Meter hoch und fällt in zwei Stufen in die Tiefe. Für die Menschen vor Ort war er natürlich schon lange da und bekannt. Erst 2002 wurde der Deutsche Stefan Ziemendorff auf ihn aufmerksam und sorgte später dafür, dass Gocta auch außerhalb der Region bekannt wurde. Also könnte man sagen: Er wurde nicht wirklich „entdeckt“, sondern eher in die weite Welt hinausposaunt.
Viele Touristen besichtigen den Wasserfall von Chachapoyas aus. Wir möchten aber direkt vor Ort sein und nicht immer hin- und herfahren. Also beziehen wir unsere kleine, aber feine Unterkunft und haben von dort einen 1A-Blick auf den 771 Meter hohen Wasserfall. Im Bett liegend können wir ihn betrachten. Wahnsinn.
Am nächsten Tag steht unsere Wanderung dorthin an. 5,5 Kilometer sind es vom Dorf bis zum Wasserfall. Komisch, der kommt uns von unserem Bett aus doch so nah vor. Leider regnet es an diesem Tag. Nichtsdestotrotz machen wir uns mit Regenjacke auf den Weg. Die bequemen Menschen können die ersten gut drei Kilometer auf dem Rücken eines Pferdes zurücklegen. Es geht hoch und runter. Wir sind uns einig: Bequem wäre das schon. Aber nicht für uns – dann doch lieber mit unserer eigenen Pferdestärke.
Auf dem Weg haben wir immer wieder einen tollen Blick auf den Wasserfall. Wir kommen näher und näher und irgendwann stehen wir plötzlich davor, schauen nach oben und kommen uns winzig klein vor. Die Dimensionen sind, wie so oft, auf Bildern überhaupt nicht einzufangen. Auch wenn wir hier nicht alleine sind, stehen wir einfach da und staunen über dieses gewaltige Naturphänomen.
Von einem Wasserfall zum nächsten
Wasserfälle sind in diesen Tagen irgendwie unsere Hauptbeschäftigung. Einen möchten wir uns noch anschauen: Bei Cuispes liegt der Yumbilla-Wasserfall. Und der ist mit rund 895 Metern sogar noch höher als Gocta, aber auch zweigeteilt. Von einem winzigen Dorf ins nächste zu kommen, gestaltet sich allerdings gar nicht so einfach. In Cocachimba gibt es keine Taxis. Kurzerhand sagt unser Host, dass er uns ins rund 40 Kilometer entfernte Pedro Ruiz fährt. Von dort müssen wir noch 7,5 Kilometer den Berg hinauf nach Cuispes kommen.
Gar nicht so einfach, denn die Straße ist gesperrt, erfahren wir von unseren neuen Hosts. Nur zwischen 12 und 13 Uhr, während der Mittagspause der Bauarbeiten, ist sie für den Verkehr geöffnet. Glücklicherweise nennen sie uns direkt einen Kontakt, der uns hochfahren kann. Und diesmal wird es eine etwas abenteuerlichere Fahrt: Mit dem Mototaxi werden wir den Berg hinaufgebracht. Und wenn das letzte Dorf schon klein war, ist hier wirklich gar nichts mehr los. Nicht einmal Läden, in denen wir etwas zu essen oder zu trinken kaufen können. Glücklicherweise kocht die Hausherrin unserer Unterkunft für uns und so werden wir hier drei Tage lang verwöhnt.
Einmal falsch abgebogen
Gefühlt sind wir die einzigen Touristen im ganzen Dorf. Also machen wir uns alleine auf in Richtung Wasserfall. Wir laufen den Berg hoch und hoch und hoch und irgendwie kommt uns das Ganze irgendwann komisch vor. Aber ändern tun wir erst einmal nichts. Bis uns plötzlich eine Frau anhält und fragt, wo wir denn hinwollen. „Zum Yumbilla-Wasserfall.“ – Oh. Da seien wir ganz falsch.
Ja, leider sind wir mittlerweile rund 800 Höhenmeter den Berg hochgelaufen – in die falsche Richtung. Irgendwie hatten wir uns nicht richtig informiert, wie die Strecke wohl sein soll. Aber nur hoch war offensichtlich falsch. Als wir wieder unten sind, sehen wir leider auch, warum: Wir sind rechts statt links abgebogen. Eigentlich stehen dort zwei ziemlich eindeutige Schilder. Nur die haben wir leider übersehen.
Zum Glück haben wir uns für drei Tage in unserer Unterkunft eingebucht. Also starten wir am nächsten Tag einfach einen neuen Versuch. Und ich muss sagen: Es lohnt sich. Wir sind wieder fast ganz alleine unterwegs und der Wasserfall ist wirklich wunderschön. Und da es auch richtig warm ist, nutze ich die Gelegenheit und nehme ein Bad unter einem der kleineren Wasserfälle. Was für ein Genuss. Bereits im Dorf haben sich uns zwei Hunde angeschlossen, die uns tatsächlich den ganzen Weg begleiten. Matze tauft die beiden Picco und Pocco. Ich könnte fast eifersüchtig werden, so verliebt ist Matze in die beiden. Aber ich muss auch sagen: Wer mich kennt, weiß ja, dass ich nicht der allergrößte Hundefreund bin – aber das war schon schön, dass die beiden uns begleitet haben. Da ich immer etwas langsamer bin, wartet einer der beiden immer brav, bis ich wieder da bin. Hunde, die treuen Seelen. Matze fällt es dann im Dorf auch wirklich schwer, Adiós zu Picco und Pocco zu sagen.
Und auch wir sagen Adiós zur Region Amazonas. Kuélap, Gocta, Yumbilla, kleine Dörfer, Mototaxis und ziemlich viele unerwartete Begegnungen liegen hinter uns.
Kommentare
Ralf Oechsner
Immer wieder sehr beeindruckend, aber wohl ziemlich feucht, ich sehe euch fast nur in Regenkleidung. Am Amazonas kann es dann nicht mehr schlimmer kommen 😉
Liebe Grüße
Claudia und Ralf
Einen Kommentar schreiben