Olperer Hütte
Vor einigen Jahren habe ich schon mal dieses Bild gesehen: Personen sitzen auf einer Hängebrücke, die Beine baumeln nach unten und im Hintergrund liegt ein türkisblauer See. Cool sieht das aus. Damals wusste ich allerdings noch nichts von dem Social-Media-Hype, den es rund um dieses Bild und die Olpererhütte im Zillertal gibt.
Bis unsere Freundin Pia im Zillertal eine Hüttenwanderung macht und auf genau dieser Hütte übernachtet. Sie schickt uns genau dieses Bild und erzählt uns anschließend, dass das dort oben ein echtes Erlebnis ist.
Menschen aus aller Welt machen sich auf den Weg zur Olpererhütte und vor allem zu der mittlerweile ziemlich berühmten Hängebrücke. Die Hüttenwirte erzählen Pia, dass manche tatsächlich nur mit Flip-Flops den Berg hochlaufen. Wohlgemerkt: Rund 600 Höhenmeter müssen bis zur Hütte überwunden werden. Sie laufen hoch, machen das berühmte Bild auf der Hängebrücke und laufen wieder runter. Teilweise soll sich vor der Brücke eine meterlange Schlange bilden.
Das Ganze spielt sich oberhalb des Zillertals am Schlegeisspeicher ab. Der türkisfarbene Stausee liegt auf rund 1.800 Metern und die Olpererhütte noch einmal knapp 600 Höhenmeter darüber auf 2.389 Metern.
Spontan auf die Olpererhütte
Mittlerweile befinden auch wir uns im Zillertal. Wir wollen unsere Freunde aus Oldenburg bei ihrem Sommerurlaub und außerdem meine Cousine besuchen. Da hat Matze plötzlich die Idee: „Du, die Pia hatte doch von dieser Hütte erzählt. War das nicht im Zillertal?“
Kurz abgecheckt – und die Entscheidung steht. Das Spektakel wollen wir uns auch anschauen. Da wir sowieso mal wieder Lust auf eine Hüttenübernachtung haben, schauen wir direkt nach freien Plätzen. Und tatsächlich haben wir Glück: Von Samstag auf Sonntag sind in einem 8er-Schlafsaal auf der Olpererhütte noch zwei Plätze frei. Perfekt. Also lassen wir unseren Camper an der Gleitschirm-Flugschule in Mayrhofen stehen und machen uns auf den Weg zur Olpererhütte. Da die Wettervorhersage für Sonntag nicht gerade rosig aussieht, beschließen wir, ganz früh mit dem Bus zum Schlegeisspeicher zu fahren. So sollten wir hoffentlich oben sein, bevor der Regen kommt.
Mit dem Bus zum Schlegeisspeicher
Gesagt, getan. Um halb neun sitzen wir im Bus. Die rund 50-minütige Fahrt nach oben stellt sich allerdings als äußerst spannend heraus. Wir landen nämlich mitten im Trubel einer neunten Klasse aus dem Ulmer Raum. Direkt gegenüber von uns sitzen die Lehrer, die gerade eine Diskussion mit ihren Schülern führen. Wir hören gespannt zu, worum es geht, und fühlen uns ehrlich gesagt ziemlich gut unterhalten. Das Ganze führt sogar dazu, dass eine Schülerin irgendwann in Tränen aufgelöst ist. Ihr wurde das Handy weggenommen, weil sie gegen eine Regel verstoßen hatte. Da sieht man mal, was es auslösen kann, wenn das Handy plötzlich für 24 Stunden weg ist. Wir kommen mit den Lehrern ins Gespräch und bekommen während der Busfahrt einen ziemlich guten Live-Einblick in den Alltag von Schülern und Lehrern.
Beide irgendwie nicht zu beneiden.
Aufstieg zur Olpererhütte
Am Schlegeisspeicher angekommen, stehen uns verschiedene Wege zur Olpererhütte zur Auswahl. Je nach Route kann man ungefähr 1,5 Stunden oder auch mehrere Stunden unterwegs sein. Aufgrund der Wettervorhersage entscheiden wir uns dieses Mal für den kürzesten Weg. Rund 600 Höhenmeter liegen vor uns. Der Weg ist angenehm zu laufen und nach rund 1,5 Stunden kommen wir oben an der Olpererhütte an. Wir checken ein und schauen uns erst einmal ein bisschen um. Der Aufenthaltsraum der Hütte hat ein riesiges Fenster, durch das man normalerweise wunderbar auf die umliegende Berglandschaft schauen kann. An diesem Nachmittag sehen wir allerdings nicht viel davon. Der Nebel wird immer dichter und die Regenwolken ziehen immer weiter rein. Schon bald gießt es wie aus Eimern. Gut, dass wir so früh aufgestiegen sind. Wir genießen den ruhigen Nachmittag auf der Hütte und essen uns gefühlt einmal durch die Speisekarte. Und es schmeckt traumhaft. Wir essen, spielen unsere Würfelspiele und beobachten die Leute.
Tatsächlich kommen immer wieder Wanderer komplett ohne Regenjacke auf der Hütte an – nur um das berühmte Bild an der Hängebrücke der Olpererhütte zu machen. Bei diesem Wetter leider vergeblich. Die Sicht ist mittlerweile so schlecht, dass einige ohne ihr erhofftes Hotspot-Bild wieder nach unten laufen. Wir dagegen fühlen uns pudelwohl auf der Hütte und genießen den ruhigen Nachmittag.
Kurz vor dem Abendessen klart es dann plötzlich auf. Also springen auch wir noch einmal raus und machen uns auf den Weg zur Brücke. Natürlich schießen auch wir ein paar Bilder. Aber was uns viel mehr begeistert, ist der Rundumblick auf die hohen Gipfel und hinunter zum Schlegeisspeicher. Nach dem Regen herrscht hier oben eine richtig mystische Stimmung. Wolken hängen überall in den Bergen – unter uns, über uns und teilweise direkt neben uns. Ein ganz besonderer Anblick.
Hüttenabend auf der Olpererhütte
Auch wenn wir eigentlich schon den ganzen Nachmittag gegessen haben, freuen wir uns auf das 3-Gänge-Abendessen. Kassler, Sauerkraut und Knödel stehen auf dem Speiseplan. Mit der Familie an unserem Tisch kommen wir schnell ins Gespräch. Eine Familie aus Berlin, die mit ihren zwei Kindern gerade eine Hüttentour macht. Irgendwie stimmt die Chemie zwischen uns sofort. Und so passiert es, dass aus 18 Uhr ziemlich schnell 22 Uhr wird. Wir erzählen uns gegenseitig unsere Geschichten, lachen viel und haben einen richtig schönen Abend zusammen.
Genau das ist es, was für uns das Hüttenleben so besonders macht. Wir kommen mit Menschen ins Gespräch, die uns sonst wahrscheinlich nie begegnet wären. Irgendwann ist dann aber Bettgehzeit angesagt. Schließlich wollen wir am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang aufstehen.
Sonnenaufgang in den Bergen
Gesagt, getan. Um halb sechs stehen wir auf. Die Sonne versteckt sich leider hinter den Wolken. Aber macht nichts. Morgens in den Bergen zu stehen und zuzuschauen, wie der Tag ganz langsam beginnt, hat trotzdem immer eine besondere Stimmung. Anschließend lassen wir uns das reichhaltige Frühstück schmecken. Wir treffen noch einmal die Berliner Familie, bevor es für uns wieder in Richtung Tal geht. Die Wettervorhersage sieht gut aus, deshalb entscheiden wir uns dieses Mal für den längeren Weg nach unten.
Über die Neumarkter Runde zurück ins Tal
Für den Abstieg nehmen wir die Neumarkter Runde, für die wir ungefähr 3,5 Stunden einplanen. Und damit sind wir auf einmal weg von den ganzen Leuten, die auf direktem Weg zur Olpererhütte und zur berühmten Hängebrücke möchten. Ein richtig schöner Weg nach unten. Uns kommen nur wenige Wanderer entgegen und wir können die Berglandschaft noch einmal in Ruhe genießen. Und irgendwie bestätigt sich damit genau das, was wir schon am Tag zuvor gedacht haben:
Die Olpererhütte im Zillertal ist so viel mehr als nur die berühmte Hängebrücke und ein Social-Media-Hotspot. Für uns war es ein rundum gelungener, spontaner Ausflug – mit tollem Essen, einer gemütlichen Hüttenübernachtung, besonderen Begegnungen und einer wunderschönen Bergwelt rund um den Schlegeisspeicher.
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