Machu Picchu – endlich stehen wir selbst davor
Viele Bilder haben wir schon gesehen und viel haben wir schon gehört vom Machu Picchu. Nun ist es auch für uns soweit: Wir machen uns auf den Weg dorthin. Im Prinzip gibt es für uns zwei Möglichkeiten. Entweder man nimmt die Bahn von Ollantaytambo nach Aguas Calientes oder man fährt mit einem Kleinbus rund fünf Stunden bis Hidroeléctrica und läuft von dort noch etwa elf Kilometer zu Fuß. Da die Bahn sogar für unsere Deutsche-Bahn-Verhältnisse extrem teuer ist, entscheiden wir uns für den Kleinbus und den Walk. Wir sind zu diesem Zeitpunkt sogar noch so euphorisch, dass wir sagen: Das machen wir auf dem Rückweg genauso.
Fünf Stunden Serpentinen – eine Richtung reicht
Morgens um halb neun warten wir in Ollantaytambo auf unseren Bus, der aus Cusco kommt. Da wir die Einzigen sind, die hier noch zusteigen, bekommen wir leider die engsten Plätze ganz hinten. Das kann ja was werden. Und es ist natürlich keine gemütliche gerade Straße. Es geht in unzähligen Serpentinen hoch und wieder runter, teilweise auf über 4.000 Meter. Der Person in der Reihe vor uns bekommt das leider überhaupt nicht. Und so wird nicht nur eine Tüte benötigt, sondern direkt mehrere. Oh Mann. Ich kann so etwas gar nicht hören oder sehen, sonst muss ich gleich mitmachen. Also Augen zu, Ohren zu und irgendwie versuchen, die nächsten Stunden zu überstehen. Der Arme – und der Weg dauert ganze fünf Stunden. Die Landschaft um uns herum ist auch hier wieder wunderschön. Links und rechts geht es steil die Berge hinauf oder hinunter. Ein weiterer Fahrgast nimmt währenddessen gefühlt die komplette Strecke mit seiner Videokamera auf. Wenn ich mir überlege, wie viel Material ich meistens schon sichten muss, möchte ich nicht wissen, wie lange er dafür später braucht. Nach rund fünf Stunden kommen wir endlich in Hidroeléctrica an.
Und bereits während der Fahrt steht für uns fest: Auf dem Rückweg machen wir das auf keinen Fall noch einmal. So schnell ändert sich ein Plan.
Zu Fuß entlang der Bahngleise
Jetzt kommt der Teil, auf den wir uns schon die ganze Zeit gefreut haben. Die letzten rund elf Kilometer nach Aguas Calientes, das offiziell Machupicchu Pueblo heißt, gehen wir zu Fuß. Der Weg führt größtenteils entlang der wenig befahrenen Bahnstrecke von Hidroeléctrica nach Aguas Calientes. Mittlerweile sind wir wieder deutlich tiefer und die Landschaft um uns herum ist plötzlich richtig grün und dicht bewachsen. Nach den kargen Höhen der Anden fühlt es sich fast wieder ein bisschen nach Dschungel an. Leider gibt es hier auch ziemlich viele Stechmücken – und natürlich haben wir ausgerechnet unser Mückenspray in Cusco vergessen.
Egal. Los geht's. Mit uns laufen noch viele andere Reisende die Strecke. Mittlerweile ist der Weg richtig darauf eingestellt und am Streckenrand gibt es immer wieder kleine Bars und Stopps, an denen man Getränke oder etwas zu essen kaufen kann. Schon relativ am Anfang überqueren wir eine Brücke. Zum Glück läuft eine Gruppe mit Guide vor uns und plötzlich sehen wir, wie alle nach oben schauen.
Also schauen auch wir nach oben. Da ist er. Machu Picchu.
Noch ganz klein und hoch oben über uns. Zum ersten Mal sehen wir die Anlage mit unseren eigenen Augen – wenn auch zunächst nur von unten. Natürlich hoffen wir auf dem Weg auch darauf, dass irgendwann ein Zug vorbeikommt. Und wir werden tatsächlich belohnt. Von Weitem hören wir bereits das Hupen. Schnell zur Seite, Kamera raus – und wenige Augenblicke später fährt der Zug vielleicht zwei Meter an uns vorbei.
Aguas Calientes – eingeklemmt zwischen den Bergen
So eine richtige Vorstellung von Aguas Calientes hatten wir vorher irgendwie nicht. Aber mit dem, was uns erwartet, haben wir auch nicht gerechnet. Der Ort liegt eingeklemmt zwischen steil aufragenden, dicht bewachsenen Bergen. Viel Platz gibt es hier nicht. Dazu schlängelt sich der Urubamba durch das enge Tal und mitten durch den Ort verlaufen die Gleise, auf denen die Züge von PeruRail und Inca Rail ein- und ausfahren. Kaum vorstellbar, wie viele Menschen jedes Jahr hierherkommen – fast alle mit demselben Ziel: Machu Picchu. Die Tickets sind online oft schon lange im Voraus ausverkauft. Es gibt aber zusätzlich täglich bis zu 1.000 Eintrittskarten, die persönlich in Machupicchu Pueblo verkauft werden. Genau darauf setzen wir. Wir kommen kurz vor 17 Uhr an und machen uns direkt auf den Weg zur Verkaufsstelle. Die Tickets gelten für den nächsten oder übernächsten Tag und wir haben Glück: Es gibt noch welche.
Für Machu Picchu gibt es mittlerweile drei große Circuits mit insgesamt mehreren unterschiedlichen Routen. Wir hätten gerne noch mehr kombiniert, erfahren aber, dass jedes Ticket an eine bestimmte Route gebunden ist. Also entscheiden wir uns für Circuit 2, Route 2-A – Machupicchu Clásico.
Tickets gesichert. Und damit haben wir noch einen ganzen Tag Zeit, Aguas Calientes auf uns wirken zu lassen. Wir bummeln einfach ein bisschen durch den Ort und freuen uns, dass das Wichtigste schon einmal geklappt hat.
Und dann stehen wir wirklich dort
Unser Slot für Machu Picchu ist um acht Uhr. Nach oben kann man entweder zu Fuß gehen oder den Bus nehmen. Wir nehmen den Bus. Uns wird empfohlen, uns bereits gegen 6:40 Uhr anzustellen. Als wir morgens dort ankommen, trifft uns fast der Schlag. Wie viele Menschen stehen denn hier bitte? Ich muss aber sagen: Das Ganze funktioniert erstaunlich gut. Es gibt Schilder, an denen genau steht, wer sich für welchen Zeitslot wo anstellen soll. Die Schlange bewegt sich schnell und wenig später sitzen wir tatsächlich im Bus. Oben angekommen heißt es noch einmal warten, bis für uns um acht Uhr der Einlass beginnt.
Dann geht es rein. Wir laufen ein Stück, biegen um eine Ecke – und plötzlich sehen wir genau dieses Bild, das wir schon hundertmal auf Fotos gesehen haben. Nur jetzt live und in Farbe. Im ersten Moment sind wir fast ein bisschen überfordert. Von der Situation, den vielen anderen Menschen und wahrscheinlich auch davon, dass wir jetzt tatsächlich hier stehen. Erst als wir irgendwann die Kamera weglegen, uns in Ruhe hinsetzen und einfach nur schauen, wird uns langsam bewusst, was wir da eigentlich vor uns haben. Machu Picchu liegt auf einem schmalen Bergrücken auf rund 2.430 Metern Höhe, umgeben von steilen, grünen Bergen und tiefen Tälern. Die Inka errichteten die Anlage im 15. Jahrhundert. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wie viele Menschen dauerhaft hier lebten und welche Funktionen Machu Picchu genau erfüllte. Es wird unter anderem davon ausgegangen, dass es ein bedeutender herrschaftlicher und religiöser Ort war.
Und wenn wir dort sitzen und uns umschauen, können wir kaum verstehen, wie die Inka an genau diesem Ort eine solche Anlage erschaffen konnten.
Auch die Geschichte von Machu Picchu ist etwas anders, als wir sie vorher im Kopf hatten. Die Anlage war für die lokale Bevölkerung nie wirklich „verloren“. Bauern aus der Umgebung kannten und nutzten Teile des Gebietes. Hiram Bingham machte Machu Picchu nach seinem Besuch 1911 international bekannt.
2 Stunden und 30 Minuten – eigentlich
Für unsere Route 2-A sind offiziell maximal 2 Stunden und 30 Minuten vorgesehen. Die Route führt durch große Teile der ehemaligen Inka-Stadt, vorbei an Terrassen, Plätzen, Wohn- und Zeremonialbereichen. Wir versuchen trotzdem, uns möglichst viel Zeit zu lassen. Immer wieder stehen Schilder mit dem Hinweis, dass man weitergehen und nicht stehen bleiben soll. Aber bei der Menge an Menschen verstehen wir auch, warum. Anders würde es hier wahrscheinlich überhaupt nicht funktionieren. Und auch wenn uns die vielen Besucher zwischendurch fast ein bisschen erschlagen: Logistisch ist das hier wirklich top organisiert.
Irgendwann führt uns der vorgeschriebene Weg immer weiter durch die Anlage und schließlich in Richtung Ausgang. Noch ein letzter Blick zurück. Irgendwie würden wir gerne noch einmal umdrehen und alles von vorne anschauen. Aber das geht nicht – die Wege führen nur in eine Richtung. Also gehen wir raus.
Und erst jetzt merken wir langsam, wie viele Eindrücke gerade auf uns eingeprasselt sind.
Zu Fuß zurück nach Aguas Calientes
Runter lassen wir es uns deshalb nicht nehmen, zu Fuß zu gehen. Ein schöner Spaziergang, um den Menschenmassen ein wenig zu entfliehen und das Erlebte bereits zu verarbeiten. Im Hotel angekommen genießen wir den Nachmittag bei leckerem Kaffee und Kuchen. Mein Lieblingskuchen in Peru ist übrigens mittlerweile Zitronentarte. Da könnte ich mich reinlegen. Am nächsten Morgen geht unser Zug zurück und wir freuen uns richtig darauf, uns einfach hineinzusetzen und keine fünf Stunden Serpentinen mehr fahren zu müssen. Zumindest nicht ganz.
Die erste Hälfte fahren wir mit dem Zug, anschließend geht es mit dem Bus weiter nach Cusco. Aber auch das ist wieder top organisiert. Unser Zug kommt an der Endhaltestelle an und direkt daneben stehen bereits zwei Busse. Wir steigen um und sind nach insgesamt rund viereinhalb Stunden wieder in Cusco. Im Nachhinein finden wir es schon Wahnsinn, welcher Aufwand hinter einem Besuch von Machu Picchu steckt – und wie viele Menschen diesen Aufwand jeden Tag auf sich nehmen.
Uns eingeschlossen. Wenn wir jetzt unsere Bilder anschauen, denken wir: Wow. Da waren wir wirklich. So richtig begreifen können wir es aber noch nicht.
Wahrscheinlich kommt das noch.
Kommentare
Einen Kommentar schreiben